Hybrid Cloud: Zwei Welten, eine Lösung

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Autor: Dominik Petrak
  • Beitrag vom: 06.06.2019
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Die Cloud-Technologie setzt sich zunehmend durch. Sicherheits- und Datenschutzbedenken treten allmählich in den Hintergrund. Jedoch scheuen noch viele Unternehmen den Systemwechsel. Sie fürchten, bisherige Investitionen in ERP-Systeme zu verlieren. Dabei können Unternehmen mit einer hybriden Lösung das Beste beider Welten kombinieren. Ein Artikel von Ingo Czok, Senior Vice President Technology der Serrala Group GmbH.

90 Prozent der deutschen Unternehmen haben bereits eine Cloud-Strategie definiert und immerhin 68 Prozent verwenden Cloud-Services. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Cloud Trends in Deutschland 2018“ von IDC (International Data Corporation). Demnach gehört die Digitalisierung der Informationstechnologie zu den Top 3-Prioritäten hiesiger Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten. Der Trend: Die Unternehmen hierzulande packen an und gestalten die digitale Transformation aktiv. Sie wollen nicht Getriebene der Entwicklung sein, sondern neue Technologien dort einsetzen, wo sie Mehrwerte bringen und in die IT- und Unternehmensstrategie passen. Die Cloud hat sich dabei inzwischen fest etabliert – sowohl für Geschäftsapplikationen als auch für die Speicherung von Daten und Dokumenten. Gemäß der Umfrage „2018 Cloud Computing Executive Summary“ von IDG (International Data Group) ist das Budget für Cloud-Computing weltweit von 2016 bis 2018 durchschnittlich um 36 Prozent auf 2,2 Milliarden US-Dollar gestiegen. 45 Prozent der Unternehmen, die ihre Applikationen im Bereich Business Intelligence, Data Warehouse und Analytics noch nicht in die Cloud migriert haben, planen dies innerhalb der nächsten ein bis drei Jahre, fand das Wirtschaftsmagazin Forbes heraus.

Vertrauen stärken

Diese Zahlen verdeutlichen, dass mehr und mehr Unternehmen den Nutzen der Cloud-Technologie erkennen. Ein Plus an Agilität und Skalierbarkeit machen diese in der Regel deutlich flexibler und benutzerfreundlicher als klassische ERP-Installationen. Zudem schätzen Firmen die niedrigeren Betriebskosten und die Tatsache, dass Systeme nicht vor Ort gewartet werden müssen. Die zunehmende Akzeptanz von Cloud-Lösungen ist ein Indikator dafür, dass Sicherheitsbedenken, die besonders in Deutschland lange für Skepsis gegenüber Cloud Computing gesorgt haben, zunehmend weniger werden. Verlässliche Cloud-Backup- und Recovery-Lösungen, die Zeit und Vorabinvestitionen einsparen, tragen zusätzlich dazu bei, das Vertrauen in die Cloud zu stärken.

Gleichwohl stecken viele Unternehmen in einer Zwickmühle. Sie haben in den zurückliegenden Jahren in ERP-Systeme investiert, die On-Premise von der firmeneigenen IT verwaltet werden. In Anbetracht dieser Kosten ist es für die IT mitunter schwierig, neue Investitionen in Cloud-Server respektive die Migration von Daten in die „neue Welt“ durchzusetzen, zumal die bestehenden IT-Infrastrukturen noch gut funktionieren. Gefragt ist allerdings ein zukunftsorientierter Blick auf die Entwicklung. Die strategische Fragestellung für Entscheidungsträger in IT, Management und den Fachbereichen lautet: Wie lange bleiben wir mit der bestehenden Infrastruktur wettbewerbsfähig? Und wann muss umgesattelt werden, um in der globalen Geschäftswelt zukunftsfähig zu bleiben?

Clever vernetzen

Dabei muss die Nutzung neuer Technologien bei gleichzeitiger maximaler Wertschöpfung aus den bestehenden Systeminvestitionen kein Widerspruch sein. Ein hybrider Cloud-Ansatz beinhaltet im Wesentlichen die Verbindung eines lokalen ERP-Systems mit Cloud-Anwendungen. Dies geschieht idealerweise ohne komplexe und risikobehaftete Schnittstellen. So kann beispielsweise eine Kernlösung in einem ERP-System betrieben und um flexible Satellitenlösungen in einer Cloud-Umgebung ergänzt werden. Dadurch werden mehr Transparenz und Effizienz erreicht und gleichzeitig die zentrale Verfügbarkeit von Daten und Dokumenten gewährleistet. Der hybride Ansatz schließt somit die Systemlücke zwischen ERP und Cloud – und versetzt Unternehmen in die Lage, sich aus einem Dilemma zu befreien.

Voraussetzung dafür ist eine leistungsstarke Cloud-Plattform, die verschiedene Faktoren erfüllt. Lässt sich die Cloud gut in bestehende Systeme integrieren? Werden alle Sicherheits- und Compliance-Anforderungen erfüllt? Wie steht es um die globale Verfügbarkeit des Systems? Gerade die letzte Frage ist für international agierende Unternehmen relevant. Ein gutes Praxisbeispiel ist Azure von Microsoft. Die Plattform des führenden Contributers im Open-Source-Umfeld lässt sich flexibel vernetzen und integriert sämtliche existenten Office-Anwendungen im Unternehmen. Außerdem können Firmen diverse ERP-Systeme wie etwa SAP anbinden, die häufig den On-Premise-Kern einer Hybrid-Umgebung bilden. Azure wurde mehrfach in puncto Security und Compliance zertifiziert, umfasst Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz und Blockchain und bietet mit Azure Stack eine On-Premise-Variante, um hybride Cloud-Lösungen aktiv zu stützen.

Zusammenarbeit optimieren

Hybrid-Modelle wie diese sorgen für eine flexible Systemumgebung, in der Mitarbeiter ihre Aufgaben bestmöglich erledigen und harmonisieren können. Ausschlaggebend hierfür ist, dass alle Prozessbeteiligten Zugriff auf dieselben Daten haben und über den gleichen Informationsstand verfügen. Im Ergebnis optimiert das die Zusammenarbeit, verbessert Abstimmungsprozesse und reduziert Rückfragen – Arbeitsabläufe sowie Entscheidungen werden insgesamt transparenter. Dies lässt sich anhand einiger Bespiele aus der Praxis verdeutlichen:

  • Finanzwesen und Treasury: In der Finanzbuchhaltung und im Zahlungsverkehr hat die tägliche Arbeit einen starken ERP-Bezug, weshalb die Mitarbeiter On-Premise-Plattformen nutzen. Die Fachleute im Treasury-Bereich hingegen schätzen oftmals die Flexibilität einer cloudbasierten Lösung, die benutzerfreundlicher und intuitiver ist sowie Daten und Auswertungen besser visualisieren kann. Die Vorteile eines hybriden Modells liegen auf der Hand: Durch die optimierte Zusammenarbeit und die zentrale Verfügbarkeit der Daten, hat das Treasury stets eine tagesaktuelle Übersicht über die finanziellen Mittel und kann die besten Investitions- und Finanzierungsentscheidungen im Sinne des Unternehmens treffen.
  • Vertrieb und Kreditmanagement: Kreditmanager arbeiten in der Regel in ERP-Systemen und oftmals ist eine enge Kooperation mit dem Vertrieb gefragt, beispielsweise wenn einem Kunden aufgrund der Kreditrichtlinien des Unternehmens kein Lieferantenkredit eingeräumt werden kann (gesperrter Vertriebsbeleg). Allerdings nutzen Mitarbeiter im Außendienst üblicherweise keine On-Premise-Lösung. Auch hier kann ein Hybrid-Verfahren die unterschiedlichen Abteilungen sinnvoll miteinander vernetzen und Reibungsverluste reduzieren. Die Vorteile: schnellere Klarheit über die Bonität des Kunden, die Geschäfts- und Vertragskonditionen sowie die Historie. So können Kreditmanager und Vertrieb zügig zu einer fundierten Entscheidung kommen (ggf. höheres Kreditlimit gewähren oder Auftrag stornieren), ohne den Kunden lange warten zu lassen.
  • Zahlungsabwicklung: Im Zahlungsverkehr lassen sich erhebliche Vorteile durch eine Hybrid-Umgebung realisieren. Heterogene Systeme verschiedener Unternehmensniederlassungen sowie externer Dienstleister lassen sich auf diese Weise sinnvoll in einer zentralen Plattform integrieren. Unternehmen erreichen einen einheitlichen Blick auf alle Zahlungstransaktionen und sind in der Lage, Konvertierungen gemäß nationaler Zahlungsformate schneller durchzuführen. Zudem sind eine sichere Verschlüsselung und volle Konnektivität zu allen Banken weitaus einfacher zu realisieren. Daten aus dem Procure-to-Pay-Prozess, die teilweise in den ERP-Systemen lagern, können problemlos in Zahlungsaufträgen verwertet und an die über die Cloud angebundenen Banken übermittelt werden. Das Ergebnis: volle Transparenz über die eigenen Verbindlichkeiten, geringere Transaktionskosten und ein nahtloses Zusammenspiel von on-premise- und cloudbasierten Daten und Prozessen.

Nicht zuletzt wird durch die Verbindung von on-premise installierten Lösungen mit Cloud-Applikationen die Bedienung oftmals erleichtert und die Anwenderfreundlichkeit verbessert, was insgesamt zu einem positiven Kundenerlebnis führt. Die Unternehmen sind somit in der Lage, dem Endanwender die Vorteile der Cloud innerhalb der Hybrid-Umgebung zugänglich zu machen und die Leistungsfähigkeit der gesamten IT-Infrastruktur zu maximieren.

Flexibel reagieren

Darüber hinaus befähigen hybride Cloud-Lösungen Unternehmen, in weiteren Bereichen deutlich flexibler und agiler zu agieren als zuvor. Drei Beispiele:

  1. Neue Geschäftsmodelle oder Wachstum: Kommt es etwa im Zuge von Marktkonsolidierungen zu Fusionen, Zukäufen und sonstigen Aktivitäten rund um Mercer & Acquistions, muss die Integration unterschiedlicher Organisationen insbesondere auch technisch und prozessual gestemmt werden. Cloud-Lösungen lassen sich in solchen Fällen einfacher skalieren. Bei klassischen ERP-Lösungen sind Rollouts in andere Landesgesellschaften und zugekaufte Organisationen in der Regel mit komplexen Einführungsprojekten verbunden. Cloud-Lösungen sind hier flexibler, da sie bei Bedarf üblicherweise schneller erweitert oder zurückgefahren werden können. Die meist vorhandenen Abonnement-Modelle sorgen außerdem für eine bessere Kostenkontrolle.
  2. Auswertungen und Analysen: In hybriden Systemen werden Datensätze zentralisiert. Das ermöglicht ein ganzheitliches Berichtswesen, welches auch dezentrale Tochtergesellschaften berücksichtigt, die nicht in das ERP eingebunden sind. So verschaffen sich Unternehmen Transparenz über die Liquidität in der gesamten Organisation.
  3. Sicherheit und Compliance: Vorteile bietet eine Hybrid-Cloud auch in Sicherheitsfragen. Durch die Integration von ERP und Cloud können Betrugsversuche leichter identifiziert und verhindert sowie Compliance-Standards besser eingehalten werden. Denn gerade unsichere Schnittstellen, isoliert arbeitende und nicht integrierte Systeme sowie stark manuelle Prozesse stellen ein Einfallstor für Betrugsversuche und Compliance-Verstöße dar. Daher sind zentrale Authentifizierungs- und Zugriffsregeln mit klaren Berechtigungsprofilen über die Gesamtorganisation erforderlich.

Transformation gestalten

Unternehmen können ihren Weg in die Cloud individuell gestalten. Eine Umstellung von heute auf morgen ist nicht erforderlich. Vielmehr ist es sinnvoll, zu evaluieren, wie eine intelligente hybride Cloud die Vorteile beider Welten – On-Premise und Cloud – unternehmensspezifisch miteinander vernetzen kann. Es entsteht eine Symbiose, die den Anforderungen des Unternehmens und seiner Mitarbeiter entspricht und Unternehmen in die Lage versetzt, die eigene digitale Transformation aktiv zu gestalten. Das Ziel sind digitalisierte Geschäftsprozesse in einem intelligent und automatisiert agierenden Unternehmen.

Über den Autor
Als Senior Vice President Technology ist Ingo Czok für die cloudbasierten und mobilen Zahlungslösungen von Serrala verantwortlich. Er verfügt über umfangreiches Fachwissen in der Cloud- und Mobiltechnologie im Bereich Payment Hubs für multinationale Kunden sowie in der Bereitstellung von Bankportalen und hat bereits an zahlreichen Großprojekten mitgewirkt. Gemeinsam mit seinem Team hat Ingo Czok die Entwicklung mehrerer Serrala-Lösungen betreut, darunter die White-Label-Bankenlösung BCrest Payments und die Cloud-Lösung Alevate Payments. Darüber hinaus fokussiert sich Ingo Czok auf hybride SAP-Cloud-Lösungen für gemischte SAP- und Non-SAP-ERP-Installationen sowie auf das Thema Betrugsschutz.

Über Serrala
Serrala ist ein globaler B2B-Fintech-Softwarespezialist mit dem Ziel, die Welt des Zahlungsverkehrs für Unternehmen zu optimieren und ihnen effiziente Cash-Transparenz und sichere Finanzprozesse zu ermöglichen. Serrala unterstützt über 3.500 Kunden weltweit mit fortschrittlicher Technologie, intelligenten Automatisierungslösungen und individueller Beratung. Ihr umfassendes End-to-End-Portfolio automatisiert alle Prozesse rund um ein- und ausgehende Zahlungen sowie das Management der damit verbundenen Daten und Dokumente. Mit über 600 Mitarbeitern und Niederlassungen in Europa, Nordamerika, Asien und dem Nahen Osten ist Serrala ein zuverlässiger Lösungsanbieter für Kunden aller Größen und Branchen.

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