SAP on Azure: Betriebsoptimierung mit der Run Cloud Right-Methode

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Autor: John Lavallée
  • Beitrag vom: 12.06.2019
  • Views: 21.917

Wir bezahlen über die Cloud, wir designen, streamen, präsentieren und kommunizieren in der Cloud. Doch bei geschäftskritischen SAP-Anwendungen sind Cloud-Services noch nicht im Alltag angekommen. Wenn es darum geht, das eigene SAP-System zukunftsweisend aufzustellen und gleichzeitig den ersten Schritt Richtung Cloud zu vollziehen, bietet sich eine Verbindung von SAP und Microsoft an. SAP on Microsoft Azure verschafft Unternehmen signifikante Vorteile, die aber erst aus der Symbiose beider Technologien entstehen und durch den richtigen Betrieb ihr volles Potenzial offenbaren. Ein Artikel von Raoul Menges, Lead Consultant Cloud Infrastructure Solutions bei der PTSGroup.

Mit digitalisierten Prozessen, Predictive Analytics, Machine Learning und unbegrenzter Mobilität müssen Systeme immer größere Datenmengen bewältigen. Doch was nützen unzählige Daten, wenn sie von Ihrem System nur schleppend analysiert und ausgewertet werden können? Um (SAP-)Systeme optimal an diese Herausforderungen anzupassen, lassen sie sich in der Cloud betreiben. Damit kann die benötigte Flexibilität und Transparenz gewährleistet werden, die Unternehmen für ihre nachhaltige Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit benötigen.

Der erste Schritt in die Cloud: Die Migration

Für eine Migration in die Azure Cloud gibt es für SAP R/3-Systeme drei Ansätze. Bei allen dreien ist die Grundlage für die Entscheidung immer eine detaillierte Analyse der systemisch abgebildeten Geschäftsprozesse sowie der bestehenden Systemlandschaft.

  1. Beim Greenfield-Ansatz wird eine neue S/4HANA-Installation in Azure bereitgestellt. Auf dieser werden dann die im ersten Schritt analysierten und optimierten Prozesse abgebildet. Eine Datenübernahme sollte hier nur eingeschränkt erfolgen. Das Altsystem kann im Anschluss abgeschaltet oder per Lift & Shift ebenfalls in die Cloud als Revisionssystem migriert werden.
  2. Beim Brownfield-Ansatz wird per In-Place-Conversion das existierende Altsystem technisch in ein S/4HANA-System gewandelt. Durch mehrfache Test-Conversions wird dabei die S/4HANA-Fähigkeit laufend getestet und optimiert. Hier müssen Prozesse und Eigen-Entwicklungen lauffähig gemacht werden.
  3. Beim Lift & Shift wird das System weder prozessual noch technisch verändert. Es wird technisch 1:1 in die Cloud überführt.

Der zweite Schritt: Run Cloud Right

Die moderne Arbeitswelt fordert flexible Systeme, Kosteneinsparungen für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfähigkeit. Software-as-a-Service-Modelle sind weitestgehend etabliert und durch ihre monatliche Kündbarkeit keine risikobehaftete Investition. Die Antwort der PTSGroup für eine moderne und effiziente IT-Infrastruktur lautet daher: Run Cloud Right.

Nach der Vorbereitung und Migration der Systeme innerhalb des Unternehmens ermöglicht die Run Cloud Right“-Methode einen transparenten Betrieb aller Systeme auf Microsoft Azure. Wie die Transparenz zustande kommt, verdeutlicht die Anwendung der Methode auf die eigenen Systeme der PTSGroup:

Bei einer 1:1 Übertragung der Nutzung von OnPrem vs. Azure Cloud bestätigt sich das gängige Klischee „zu teuer“. Betrachtet man die Ausgangsituation (SAP S/4HANA-System mit zwei Instanzen im eigenen Rechenzentrum), ist der Betrieb durch die Hardware-Bereitstellung zeitaufwendig, die Hardware skaliert schlecht und verlangt ein hohes Investment vor der ersten Nutzung. Hinzu kommt die Unsicherheit, ob wirklich alle Anforderungen mit dem gewählten Setting bedient werden können. Insgesamt sind die Gesamtbetriebskosten (TCO) bei einer 5-Jahres-Betrachtung mit 99.440 € allerdings niedriger (Kosten wie etwa Abschreibungen sind hier nicht berücksichtigt) als der direkte Vergleich zum Cloud-Betrieb mit einem TCO von knapp 174.000 €. Jedoch sind beim Cloud-Betrieb keine Vorabinvestitionen notwendig, die HANA-zertifizierte Infrastruktur steht auf Knopfdruck bereit und die hohe Skalierbarkeit gemäß individuellen Bedürfnissen ist gegeben, sodass alle Anforderungen an die Lösung agil bedient und der Cloud-typische Pay-as-you-go-Vorteil genutzt werden können.

Run Cloud Right-Komponente 1: Analyse notwendiger Betriebszeiten

Für einen optimierten Betrieb der Cloud ist das Monitoring der Verbrauchswerte die erste Stellschraube, da sie ein kaufmännisches „Finetuning“ und eine fortlaufende Optimierung der Ressourcen ermöglicht. Im ersten Schritt wird hierzu eine Analyse der erforderlichen Betriebszeiten für die Dev- und Prod-Systeme vorgenommen. Wir gehen von der Annahme aus, dass unterschiedliche Anforderungen an eine Betriebszeit je System vorliegen. In unserem Fall hat sich dadurch ergeben, dass am Wochenende alle Systeme offline bleiben und bei Bedarf alle Systeme außerhalb der Regelbetriebszeit manuell per App gestartet werden können. Für die Dev-Instanz wurde die Betriebszeit auf 8/5 eingestellt. Die Systeme werden werktags morgens um 08:00 Uhr gestartet und nachmittags um 16:00 Uhr heruntergefahren. Für das Prod-System ist eine 12/5 Betriebszeit ausreichend. Um diese Zeiten herauszufinden, wird eine Analyse der internen Nutzung des Systems und ggf. eine Umstellung von Batch-jobs vorgenommen.

Ist stattdessen eine 24/7 Betriebszeit für die Produktivumgebung eine Muss-Anforderung – beispielweise für produzierende Unternehmen im Schichtbetrieb – dann kann für das Produktivsystem eine Azure-Reserved-Instance (ARI) genutzt werden, die bei einer Laufzeit von 36 Monaten Preisersparnisse von bis zu 72 % gegenüber einem 24/7 Pay-as-you-go-Modell ermöglicht. Dazu werden für einen Zeitraum von drei Jahren reservierte und im Voraus bezahlte Kapazitäten in der Azure Cloud bedarfsgerecht bereitgestellt.

Run Cloud Right-Komponente 2: Analyse notwendiger Skalierung

Der zweite Bestandteil unserer Run Cloud Right-Methode ist die Analyse der tatsächlichen Auslastung (CPU, RAM) des Systems. Um Spitzen abzufangen, werden Systeme anfangs oft zu groß gesized. In der On-Premise-Welt ist das ein Muss, da es sonst dazu führen kann, dass nach einem halben Jahr neue und teure Hardware nachgekauft werden muss. Dieses Risiko besteht in der Cloud nicht. Hier kann man mit einfachen Mitteln die zur Verfügung stehenden Ressourcen hochskalieren. Allein durch dieses Resizing können bis zu 50 % der ursprünglichen Annahme eingespart werden.

Run Cloud Right-Komponente 3: „Predictive“ Resizing

Abschließend folgt das Predictive Resizing. Hierfür wird analysiert, ob und wenn ja, welche wiederkehrenden, Last-intensiven Jobs auf den Systemen laufen. Werden beispielsweise jeden letzten Freitag im Monat die Personalabrechnungen durchgeführt, so kann in der Nacht zuvor, wenn das System ausgeschaltet ist, die Skalierung auf die doppelte Leistung anpasst werden. Nach dem nächsten Herunterfahren wird wieder auf die ursprüngliche Skalierung (für die täglichen Aufgaben ausreichend) zurückgestellt. So profitiert man von der Power, die die Cloud bereitstellt, behält die Kosten aber im Griff.

Mit Run Cloud Right die Cloud RICHTIG betreiben

Mit „Run Cloud Right“ konnten wir eine Ersparnis von etwa 1.200 €/Monat realisieren. Insgesamt verändert sich die TCO-Betrachtung zum Vorteil der Cloud: Mit dem richtigen Betrieb sind die TCO niedriger, da im Vergleich zum Rechenzentrumsbetrieb 30 % Einsparungen realisiert werden können. Die Analyse zeigt, dass SAP on Azure nicht als reines Infrastrukturprojekt verstanden, sondern als Betriebszeitoptimierungsmodell fruchtet, um mit „Run Cloud Right“ an den richtigen Stellschrauben Einsparungen zu realisieren.

Run Cloud Right-Add-on 1: PTS Consumption Monitor

Für unsere Kunden ist die monatliche Abrechnung oft nicht aussagekräftig genug. Deshalb nutzen wir zur Steigerung der Transparenz der Aktivitäten in der Azure Cloud als zusätzliche Komponente der Run Cloud Right-Methode den PTS Consumption Monitor als Frühindikator in der Kostenkontrolle. Mit dem Microsoft-Mietmodell werden die Azure-Kapazitäten nach tatsächlichem Nutzen gezahlt, sodass vorab kalkulierte Kosten Richtwerte sind. Daher ist es wichtig, einen aktuellen Überblick der genutzten Ressourcen zu erhalten und die tatsächlich anfallenden Kosten in Echtzeit zu überblicken, um so ggf. „teure“ Systeme zu identifizieren. Der PTS Consumption Monitor trägt zur Kostentransparenz bei, indem die Kosten der Systeme bis auf einzelne Komponenten herunter transparent dargestellt werden. Diesen stellen wir unseren Kunden kostenlos zur Verfügung.

Run Cloud Right-Add-on 2: PTS SAP Monitoring Agent

Nach der Migration ist es entscheidend, die Systeme richtig zu managen. Mithilfe des PTS SAP Monitoring Agents bieten wir einen Single Point of Control für die Überwachung von SAP- und Non-SAP-Systemen. Der PTS SAP Monitoring Agents zeigt z.B. Work-Prozesse inkl. Langläufererkennung detailliert an. Verbuchungen sowie abgebrochene Verbuchungssätze können transparent aufgezeigt werden. Abgebrochene Jobs inkl. (Mail-) Alerting können an bestimmte Personenkreise verschickt werden. Der Status quo der Datenbanken kann in Echtzeit und auf einen Blick alle notwendigen Informationen anzeigen: Füllgrad, Backup, Redolog-Sicherungen, Next-Extend/ Autoextend. Auch werden Netzwerkfehler erkannt, die wichtig für den Zugriff auf die SAP-Systeme sind.

Die CCMS-Integration zeigt Dialog-Antwortzeiten und ein Transaktionsmonitoring. Zusätzlich können RFC-Verbindungen sowie IDOCs analysiert werden. Batch-Input-Mappen werden erzeugt sowie Anpassungen der Systemänderbarkeit aufgelistet. Veränderungen der Mandanteneinstellungen sowie ein Überblick der LastBackup und LastRedolog werden ebenfalls ausgewertet und aufgezeigt.

Über den PTS SAP Monitoring Agent lassen sich somit auch Business-Prozesse monitoren:

  • Läuft das SAP-System rund?
  • Ist der Drucker im Lager erreichbar?
  • Läuft das Archivsystem – funktioniert die RFC-Verbindung?
  • Sind WLAN-Access-Points erreichbar, über die zum Beispiel Barcode-Scanner arbeiten?

Run Cloud Right-Add-ons generieren Mehrwert

Ohne Anpassung des Cloud-Betriebs können keine signifikanten Mehrwerte der neuen Technologie ausgespielt werden. Mit der Run Cloud Right-Methode wird der optimale Betrieb in Azure ermöglicht. Damit kann eine individuelle und passende Strategie bei der Migration der Systeme zu Azure sichergestellt werden. Mit Run Cloud Right wird der Betrieb in der Cloud lukrativ für jedes Unternehmen. Die neuen Technologien in Azure plus die PTS Add-Ons ermöglichen “to run your best run right!”

 

Über die PTSGroup
Nach über 20 Jahren in der SAP-Beratung ist die Begeisterung der PTSGroup für spannende Projekte ungebrochen. Die mehrfach zertifizierten Microsoft- und SAP-Partnerschaften sprechen für die hohe Beratungs- und Umsetzungsqualität, die nun im Bereich SAP on Azure gebündelt werden. Bestehende Prozesse zu optimieren, geht für die PTSGroup nicht weit genug. Das Unternehmen möchte neue Maßstäbe für die Services seiner Kunden und damit den Nutzen setzen. Gemeinsam mit ihren Kunden setzt die PTS Group innovative Technologien und Entwicklungen ein, um daraus neue, skalierbare Services zu integrieren, Geschäftsprozesse zu transformieren und das Geschäft ganzheitlich zu optimieren.

Über den Autor
Raoul Menges ist Lead Consultant Cloud Infrastructure Solutions bei der PTSGroup und Experte für das Thema SAP on Azure. Mit über 10 Jahren Erfahrung in diesem Bereich ist er ein anerkannter Experte und als Cloud Solution Architect gefragt. Er kennt sich in der onPrem-Welt wie auch der Cloud bestens aus und teilt sein Wissen als Redner auf verschiedenen Veranstaltungen zur Microsoft Azure Cloud. Durch diverse Zertifizierungen zum Microsoft Certified Professional (MCP) in den Bereichen Office 365, Dynamics, Azure sowie als Microsoft Licensing Professional (MLP), bildet er das komplette Spektrum der Microsoft Cloud-Technologien ab und kann dadurch kundenindividuelle Infrastrukturumgebungen entwerfen und mit seinem Team umsetzen.

 

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